Klare und prägnante Kommunikation

 

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📢 Klare und prägnante Kommunikation für Technikexpert:innen im hybriden Arbeitsalltag

In dieser Interview Folge spricht Host Markus mit Dr. Adriane Schmidt (Kommunikationswissenschaftlerin und Stimmtrainerin, Gründerin der „Akademie für Souveränität“) darüber, wie Expert:innen – besonders im Tech-Umfeld – klarer, verständlicher und zugleich wertschätzend kommunizieren können. Im Fokus stehen hybride Zusammenarbeit, Präsenz und Wirkung (Stimme, Haltung, Hintergrund) sowie praktische Übungen, um Botschaften auf den Punkt zu bringen und souverän mit Einwänden und Gegenwind umzugehen. Die Folge richtet sich unter Anderem an Menschen, die viel Expertise mitbringen und ihre Inhalte so vermitteln wollen, dass andere schnell verstehen, mitgehen und ins Handeln kommen.

Profilbild Dr.Adriane Schmidt

💬Worum es im Kern geht

Viele technische Expert:innen kennen zwei Extreme: Entweder sie halten sich zurück („ich hab da vielleicht eine Idee…“) oder sie erklären so detailreich und fachsprachlich, dass der Gegenüber aussteigt. Im hybriden Alltag (Meetings online, asynchrones Arbeiten, schnelle Abstimmungen per Chat) verstärkt sich dieses Problem, weil Kontext und Zwischentöne leichter verloren gehen.

💡Die zentrale Leitidee

Klarheit entsteht aus Struktur und Haltung – also aus einer verständlichen, gut gegliederten Botschaft und dem Mut, die eigene Position (inkl. Grenzen) sichtbar zu machen. Hybride Kommunikation & Wirkung (Stimme, Präsenz, Umfeld)
Gleich zu Beginn wird deutlich: Wirkung entsteht nicht erst durch Inhalte, sondern auch durch Rahmenbedingungen. Adriane betont, dass ein stimmiger Hintergrund (nicht ablenkend, passend zum Thema) und körperliche Präsenz (z. B. im Stehen sprechen) die Stimme und damit die Wahrnehmung verändern können. Im Remote-Setting sind solche Signale oft der Ersatz für das, was im Raum sonst selbstverständlich mitschwingt – und sie helfen, Kompetenz zu zeigen, ohne „lauter“ werden zu müssen.

📩 Kernbotschaften:

Klarheit hat zwei Seiten: Erstens kurz, prägnant und verständlich formulieren (Adressat:in kann folgen). Zweitens Haltung zeigen – sagen, was man will und was man nicht will (Grenzen setzen, Nein sagen).
Dabei schließt sich klar und wertschätzend nicht einander aus, sondern der Ton entscheidet, So kann man deutlich sein, ohne anzugreifen.
Typische Fehler von Expert:innen sind sich in Details zu verlieren, zu komplex formulieren, zu viele Fachbegriffe/Substantivierungen benutzen („Behördendeutsch“)oder eine fehlende Zielgruppenorientierung. Bereits das Erwartungsmanagement ist Kommunikation. Wenn etwas (noch) nicht geht, sollte aber der aktuelle Stand konkret benannt, geprüft oder angekündigt werden, aber nichts versprechen – sonst entstehen falsche Erwartungen („du findest ja eh einen Workaround“). Regelmäßiger Updates schaffen mehr Transparenz. Daher ist es besser lieber einmal mehr zu kommunizieren (z. B. geplante, arbeitsrelevante Updates) als implizit vorauszusetzen, „das weiß doch jeder“. Klarheit ist ein Geschenk, denn für den Gegenüber wird schneller ersichtlich, was erwartet wird und warum etwas relevant ist. Immer mit Kontext starten: Nie mit Details beginnen, sondern mit der Einordnung: Worum geht es? Warum ist das relevant? Was ist die Kernbotschaft? Was brauche ich vom Gegenüber? Erst danach in die Tiefe gehen. Eine der wichtigsten Kernbotschaften ist die  Zielgruppenorientierung, anstatt in die Falle der „Expert:innen-Blase“ zu tappen. Wer seit Jahren tief im Thema ist, überschätzt leicht, was andere bereits wissen. Verständlichkeit entsteht, wenn Sprache, Beispiele und Detailtiefe am Wissensstand des Gegenübers ausgerichtet sind.
Die eigene Fachlichkeit muss nicht über „Behördendeutsch“ bewiesen werden. Viele Substantivierungen, lange Schachtelsätze und Abkürzungen wirken zwar „hochtrabend“, senken aber das Verstehen und die Anschlussfähigkeit. Aktive Verben und klare Hauptsätze erhöhen Tempo und Klarheit. Die Wertschätzung der Adressat:in und deren Arbeit zeigt sich in der Wortwahl. So verändern bereits kleine Formulierungen die Beziehungsebene. „Ich wünsche mir …“ statt „Ich erwarte …“, „Wozu ist dir das wichtig?“ statt „Warum machst du das?“ – klar bleiben, ohne Rechtfertigungsdruck auszulösen. Transparenz muss als Teil von Klarheit verstanden werden. Gerade in verteilten Teams hilft regelmäßige, arbeitsrelevante Kommunikation (Updates, Änderungen, Abhängigkeiten). Was für den Absender „selbstverständlich“ ist, kommt beim Empfänger oft nicht an. Auch und gerade bei Gegenwind neugierig bleiben. Einwände enthalten häufig Bedürfnisse (Qualität, Sicherheit, Tempo, Autonomie). Wer nach Motivation und gewünschtem Ergebnis fragt, verhindert Eskalation und kommt schneller zu Lösungen.

📝Typische Situationen aus dem Alltag

Konkrete Beispiele aus dem Alltag, die viele aus IT- und Projektkontexten kennen: Erwartungsmanagement bei technischen Limits („aktuell geht es nicht“ vs. „ich schaue mal“), weil wiederholte Workarounds schnell die Erwartung erzeugen, dass am Ende doch alles möglich ist. Updates und Veränderungen im Betrieb (z. B. größere System- oder Client-Updates), die angekündigt werden sollten, damit andere planen können. Zusammenarbeit im Onboarding: Rückfragen wie „Warum?“ wirken schnell wie Kritik – verständlicher ist, das Ziel zu erklären („Mich interessiert dein Weg dorthin“) und zugleich Stärken sichtbar zu machen („Super, dass du weiter denkst – ich wünsche mir nur Schritt 1 zuerst“).

📝Praktische Übungen & Quickwins

„Erklär’s einem Zehnjährigen“: Ein Thema so formulieren, als würdest du es einem Kind erklären. Das Ergebnis: kürzere Sätze, alltagsnahe Beispiele, mehr Bilder/Vergleiche – die Kernbotschaft wird klarer. Reduziere Substantivierungen, prüfe eigene E-Mails/Posts daraufhin,  wo kann ich Nomen-Ketten durch aktive Verben ersetzen? (Beispiel: „Danke für die Analyse; ich bewerte es anders und lehne die Umsetzung ab.“) Zuerst das Ergebnis, dann die Details benennen. Immer zu Beginn eine Einordnung geben, die darauf abzielt: Worum geht’s? Was ist die Kernbotschaft? Was brauche ich von dir? Details erst danach ansprechen. Die Wortwahl entschärfen, ohne weichzuspülen: „Ich wünsche mir …“ statt „Ich erwarte …“; „Wozu ist dir das wichtig?“ statt „Warum machst du das?“
Eine Mini-Checkliste für Mails, Chats & Meetings, die vor dem Absenden abgerufen werden sollte: Kontext geben, das Ergebnis/die Kernbotschaft zusammenfassen und einen klaren Appell formulieren: „Ich brauche von dir … bis …“ oder „Bitte entscheide zwischen A/B …“ Darüber hinaus müssen Grenzen/Limits transparent gemacht werden: „Aktuell geht X nicht wegen Y; ich prüfe Z bis Datum, kann es aber nicht versprechen.“ Schließlich und vor Allem einen wertschätzenden Ton beibehalten: Wunsch-/Ich-Botschaften statt Erwartungs-/Du-Botschaften.

📝Modelle & hilfreiche Perspektiven

Als Orientierung empfiehlt Adriane das Kommunikationsquadrat (Schulz von Thun): Jede Nachricht enthält nicht nur eine Sachinformation, sondern wird auch als Appell, Beziehungsbotschaft und Selbstoffenbarung gehört. Für mehr Souveränität hilft es, bei Irritationen aktiv nachzufragen („Was möchtest du von mir?“ / „Wozu sagst du mir das gerade?“), statt vorschnell zu interpretieren.
Zudem kann KI helfen, Texte zu prüfen und zielgruppengerechter zu machen (z. B. „Würdest du das als Anwender verstehen?“ oder „Erklär es mir wie einem Kindergartenkind“). So kann die  KI als Sparringspartner (Struktur, Rechtschreibung, Perspektivwechsel) sinnvoll fungieren – die Haltung und persönliche Sprache sollte aber vom Menschen kommen, weil genau das Vertrauen und Wiedererkennung schafft.

🏁Schlusssätze / Takeaways (für den Alltag)

„Klarheit ist kein Risiko.“ Unklarheit führt eher dazu, dass Bedürfnisse und Erwartungen unerfüllt bleiben.
„Habe den Mut, Dinge zu verändern … und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“ (Gelassenheitsgebet; ergänzt um: „Choose your battles  wisely.“)
Klarheit schafft Verbindung: Wer Position zeigt, macht es anderen leichter, sich zu orientieren – und findet eher Menschen, die ähnlich denken. Lieber eine Kommunikation mehr als eine zu wenig: In Projekten, Migrationen und verteilten Teams kommt nicht alles bei allen an – Wiederholung über passende Kanäle ist Teil professioneller Zusammenarbeit.
„Choose your battles wisely“: Nicht jede Diskussion muss geführt werden – aber dort, wo Gestaltungsspielraum besteht, lohnt sich Mut zur Klarheit und zum Benennen von Unbequemem. Arbeiten in der Cloud steht in der Folge für flexible, ortsunabhängige (auch asynchrone) Zusammenarbeit – Dokumentation und Transparenz sind dafür zentral.

 

nuboLinks

https://akademie-souveraenitaet.de/ 
https://akademie-souveraenitaet.de/programm/


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Markus

Aus der Praxis für die Praxis stellt Markus euch regelmäßig alleine oder mit Gästen Neuigkeiten zum Thema digital collaboration mit Microsoft Office 365 oder allgemeine Themen aus der agilen digitalen Welt vor.

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